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Maßstab statt Moraltheater – Warum ich nicht wähle und das Thalia-Spektakel mehr über unser System verrät als über die AfD
Ich habe mir den sogenannten „Prozess gegen Deutschland“ im Thalia Theater auf YouTube angesehen. Drei Tage lang wurde dort eine Gerichtsverhandlung simuliert, mit echter ehemaliger Justizministerin als Vorsitz, mit Sachverständigen, Verteidigung, Anklage und einer ausgelosten Bürgerjury. Im Zentrum stand die Frage, ob ein Verbotsverfahren gegen die Alternative für Deutschland eingeleitet werden sollte. Am Ende sprach sich die Jury mehrheitlich dafür aus, ein solches Verfahren prüfen zu lassen und die staatliche Finanzierung zu entziehen. Das Ganze hatte den Klang institutioneller Ernsthaftigkeit, die Form juristischer Strenge und die Atmosphäre moralischer Gewissheit. Es sah aus wie ein Gericht. Es fühlte sich an wie ein Urteil. Es war nur keines. Was mich daran weniger empörte als amüsierte, war nicht die politische Stoßrichtung, sondern die strukturelle Verwechslung von Ebenen. In Skin in the Game von Nassim Taleb wird ein Gedanke der Brüder Graham zitiert, der für mich wie ein intellektueller Kompass funktioniert: „Auf Bundesebene bin ich Libertärer, auf Landesebene Republikaner, auf kommunaler Ebene Demokrat und gegenüber Familie und Freunden Sozialist.“ Dieser Satz ist kein Widerspruch, sondern eine Warnung. Politische Prinzipien sind nicht maßstabsneutral. Wer sie fraktal anwendet, produziert Ideologie. Genau das war im Thalia-Theater zu beobachten. Ein Parteiverbot ist ein Instrument der Bundesebene. Es greift tief in die Architektur des politischen Wettbewerbs ein, schafft Präzedenzfälle, definiert die Toleranzgrenzen des Systems. Auf dieser Ebene muss man libertär denken, also maximal zurückhaltend, prinzipientreu, machtskeptisch. Freiheit gilt gerade für die Unbequemen. Sonst ist sie bloß Dekoration. Im Theater jedoch wurde das moralische Empfinden des Privaten auf die Ebene des Verfassungsrechts gehoben. Empörung bekam den Anschein institutioneller Notwendigkeit. Dramaturgie ersetzte Aktenlage. Applaus ersetzte Haftung.
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Maßstab statt Moraltheater – Warum ich nicht wähle und das Thalia-Spektakel mehr über unser System verrät als über die AfD
Sie retten eure Rente.
Nur zahlen sie nicht ein. Die neue Rentenkommission soll das größte Ponzi-Konstrukt der Republik stabilisieren. Dreizehn kluge Köpfe. Professoren. Politiker. Funktionäre. Menschen mit sicherer Altersversorgung. Keiner davon zahlt verpflichtend in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das ist kein Detail. Das ist der Punkt. Wir haben ein beitragsfinanziertes System. Ein Generationenvertrag. Arbeiter zahlen ein. Angestellte zahlen ein. Selbständige oft freiwillig oder gar nicht. Aber die Architekten der Reform? Beamtenpension. Versorgungswerke. Staatsgarantie. Skin in the game? Fehlanzeige. Stell dir vor, ein Gremium aus Veganern entscheidet über die Zukunft der Fleischindustrie. Oder Investmentberater ohne eigenes Depot strukturieren dein Vermögen. Du würdest lachen. Oder klagen. Hier nennt man das „Expertenkommission“. Wer kein Risiko trägt, produziert Risiken. Wer keinen Schmerz fühlt, optimiert Tabellen. Wer nicht haftet, experimentiert. Die Rentenfrage ist keine mathematische Gleichung. Sie ist ein Verteilungsproblem unter Unsicherheit. Demografie ist kein Geheimnis. Seit 30 Jahren wissen wir, dass weniger Junge mehr Alte finanzieren sollen. Und die Lösung? Noch ein Bericht. Noch ein Modell. Noch eine Simulation. Währenddessen steigt das Renteneintrittsalter. Beiträge steigen. Steuerzuschüsse explodieren. Aber die Entscheidungsträger schlafen ruhig. Ihre Pension hängt nicht am Umlagesystem. Das ist kein Zufall. Das ist Systemdesign ohne Konsequenzen. Ein antifragiles System zwingt Entscheider, selbst zu zahlen, selbst zu tragen, selbst zu verlieren. Alles andere ist akademische Gymnastik mit fremdem Geld. Die spannende Frage ist nicht, wie man die Rente reformiert. Sondern warum wir akzeptieren, dass diejenigen, die über Risiko entscheiden, keines tragen.
Sie retten eure Rente.
Fünf Wörter reichen: Opferstatus schlägt Verantwortung. Immer.
Gil Ofarim gewinnt das Dschungelcamp. Nicht trotz, sondern wegen seiner Geschichte. Und das Netz jubelt, empört sich, moralisiert sich in Ekstase. Zur Erinnerung, falls kollektive Amnesie wieder mal als Tugend gilt: Gil Ofarim hatte einen Antisemitismus-Vorwurf erhoben, der sich später als falsch herausstellte. Gericht, Geständnis, erledigt. Eigentlich. Aber in Deutschland bedeutet „erledigt“ nicht abgeschlossen, sondern emotional verwertet. Die Story ist perfekt: Gefallener Star. Öffentliche Buße. Tränen im Reality-TV. Erlösung durch Zuschauerabstimmung. Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäftsmodell. Hier liegt das eigentliche Problem, nicht bei Ofarim. Er spielt ein Spiel, das es längst gibt. Das Problem ist eine Gesellschaft, die Moral mit Gefühl verwechselt und Verantwortung mit Symbolik. Moralische Währung heute: Nicht Wahrheit. Nicht Konsequenz. Sondern Betroffenheit. Wer leidet, gewinnt. Wer zweifelt, verliert. Wer widerspricht, gilt als unmenschlich. Das ist keine Empathie. Das ist moralische Inflation. Und wie jede Inflation zerstört sie Vertrauen. Früher galt: Fehler haben einen Preis. Heute gilt: Die richtige Geschichte macht jeden Preis verhandelbar. Man kann Gil Ofarim vergeben. Man kann ihm eine zweite Chance geben. Aber ihn zum moralischen Sieger zu küren, sagt weniger über ihn als über uns. Eine Gesellschaft, die Vergebung braucht, aber Verantwortung meidet, wird nicht menschlicher. Nur lauter.
Fünf Wörter reichen: Opferstatus schlägt Verantwortung. Immer.
Was ist Wert? Ein Essay über Vertrauen, Knappheit und das, was bleibt
Wert ist eines dieser Worte, die jeder benutzt und kaum jemand sauber definiert. Es klingt objektiv, fast naturwissenschaftlich, und ist doch zutiefst menschlich. Wert ist kein Stoff, keine Zahl und kein Objekt. Wert ist eine Beziehung. Er entsteht zwischen dem, was Menschen begehren, und dem, was nicht beliebig verfügbar ist. Genau deshalb verschwindet er so zuverlässig, wenn Vertrauen schwindet. Die Philosophie war hier erstaunlich ehrlich, lange bevor Renditekurven das Denken übernahmen. Aristoteles verstand Wert nicht als Preis, sondern als Zweck. Ein Ding war wertvoll, wenn es seiner Bestimmung diente. Geld selbst war für ihn nur ein Mittel, kein Ziel. Reichtum ohne Nutzen galt als Fehlentwicklung. Man könnte sagen: Aristoteles hätte ETFs nicht gehasst, aber er hätte ihnen misstraut. Mit Adam Smith wird Wert sozial. Er unterscheidet zwischen Gebrauchswert und Tauschwert und zeigt damit ein Paradox auf, das bis heute gilt. Wasser ist lebensnotwendig und billig. Diamanten sind weitgehend nutzlos und teuer. Der Markt löst diesen Widerspruch nicht auf. Er lebt davon. Wert entsteht dort, wo Menschen bereit sind zu tauschen, nicht dort, wo etwas objektiv sinnvoll ist. Karl Marx treibt den Gedanken weiter und bindet Wert an Arbeit und Machtstrukturen. Preise sind für ihn keine neutralen Messgrößen, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Unabhängig davon, wie man zu seiner Theorie steht, bleibt eine unbequeme Einsicht: Wert existiert nie außerhalb von Systemen. Er ist rechtlich, politisch und institutionell eingebettet. Und Systeme sind fragil. Die moderne Ökonomie verabschiedet sich schließlich von jeder Substanz und erklärt Wert zur reinen Subjektivität. Etwas ist wertvoll, weil jemand es will. Elegant, logisch, effizient. Und gefährlich. Denn wenn Wert ausschließlich im Kopf entsteht, reicht Angst, um ihn zu vernichten. Vertrauen wird damit nicht zur Begleiterscheinung, sondern zur tragenden Säule.
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Was ist Wert? Ein Essay über Vertrauen, Knappheit und das, was bleibt
Verrückte führen Blinde. Immer wieder.
Shakespeare hätte heute keinen Stoffmangel. Talkshow, Scheinempörung, betreutes Denken. Politiker stolpern hinein, Journalisten spielen Richter, das Publikum klatscht zur eigenen Beruhigung. Der verlinkte Auftritt ist kein Ausrutscher, sondern ein Symptom (https://www.focus.de/kultur/kino-tv/miosga-will-afd-chef-chrupalla-vorfuehren-der-tut-sich-mit-besuch-keinen-gefallen_5b9a1183-6e60-4aca-9e71-f72d1db22198.html). Egal welche Partei, egal welches Lager. Tino Chrupalla sitzt dort nicht als Entscheider, sondern als Statist. Gegenüber Caren Miosga, die ebenfalls kein Risiko trägt. Zwei Welten ohne Haftung treffen aufeinander und nennen es Demokratie. Das ist der Kern des Problems: Kein Skin in the Game. Null persönliches Risiko. Keine Konsequenzen für falsche Entscheidungen. Parteien reden über Krieg, Energie, Geld und Migration, als wären es Planspiele. Wenn sie irren, zahlen andere. Wenn sie scheitern, wechseln sie das Amt. Wenn sie lügen, nennt man es Narrativ. AfD, SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP Unterschiedliche Farben, gleiche Struktur. Funktionäre ohne Eigentum am Ergebnis. Und dann die Journalisten. Nicht als Beobachter, sondern als Mitspieler. Auch sie tragen kein Skin in the Game. Wer falsch einordnet, zuspitzt, moralisiert oder manipuliert, riskiert nichts. Keine Haftung. Kein Reputationsverlust. Nächste Sendung, nächster Leitartikel. Die politische Klasse bleibt folgenlos, die mediale ebenso. Verantwortung wird gegenseitig versichert. Besonders deutlich zeigt sich das im öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Ein geschlossener Kreislauf: Politik legitimiert Medien, Medien legitimieren Politik. Kritik wird zur Haltung, Haltung ersetzt Analyse. Fragen dienen nicht mehr dem Erkenntnisgewinn, sondern der Bloßstellung. Gespräch wird zum Tribunal, Information zur Inszenierung.
Verrückte führen Blinde. Immer wieder.
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