Shakespeare hätte heute keinen Stoffmangel. Talkshow, Scheinempörung, betreutes Denken. Politiker stolpern hinein, Journalisten spielen Richter, das Publikum klatscht zur eigenen Beruhigung.
Das ist der Kern des Problems:
Kein Skin in the Game.
Null persönliches Risiko.
Keine Konsequenzen für falsche Entscheidungen.
Parteien reden über Krieg, Energie, Geld und Migration, als wären es Planspiele. Wenn sie irren, zahlen andere. Wenn sie scheitern, wechseln sie das Amt. Wenn sie lügen, nennt man es Narrativ.
Unterschiedliche Farben, gleiche Struktur. Funktionäre ohne Eigentum am Ergebnis.
Und dann die Journalisten.
Nicht als Beobachter, sondern als Mitspieler.
Auch sie tragen kein Skin in the Game. Wer falsch einordnet, zuspitzt, moralisiert oder manipuliert, riskiert nichts. Keine Haftung. Kein Reputationsverlust. Nächste Sendung, nächster Leitartikel. Die politische Klasse bleibt folgenlos, die mediale ebenso. Verantwortung wird gegenseitig versichert.
Besonders deutlich zeigt sich das im öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Ein geschlossener Kreislauf: Politik legitimiert Medien, Medien legitimieren Politik. Kritik wird zur Haltung, Haltung ersetzt Analyse. Fragen dienen nicht mehr dem Erkenntnisgewinn, sondern der Bloßstellung. Gespräch wird zum Tribunal, Information zur Inszenierung. Shakespeare nannte das Tragödie.
Taleb nennt es Fragilität.
Ich nenne es gefährlich.
Ein System, in dem die Lautesten führen, die Verantwortungsärmsten entscheiden und die Konsequenzen ausgelagert werden, produziert zwangsläufig genau das, was wir sehen: Schauspiel statt Substanz.
Wer keine Kosten trägt, lernt nichts.
Wer nichts riskiert, sollte nichts entscheiden.