Die Experten der sicheren Rente
Oder anders gesagt: Menschen, die Zähne reparieren, haben ihr Altersvorsorgegeld Leuten gegeben, die offensichtlich nicht einmal eine einfache Risikoanalyse hinbekommen haben. Das Versorgungswerk der Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen hat rund 2,2 Milliarden Euro verwaltet. Geld, das eigentlich eine ziemlich langweilige Aufgabe hat: sicher bleiben, Zinsen erwirtschaften, Renten zahlen. Nichts Glamouröses. Keine Vision. Keine Start-up-Romantik. Stattdessen bekam das Portfolio etwas, das an eine schlecht moderierte „Höhle der Löwen“-Episode erinnert. Hotels auf Ibiza. Ferienanlagen auf Sardinien. Immobilien in Schottland. Ein Plastikrecyclingwerk in Los Angeles. Und mein persönlicher Favorit: 16 Millionen Euro in eine Garnelenfarm in Schleswig-Holstein. Wenn man lange genug nach absurden Investments sucht, findet man sie offenbar auch in der Altersvorsorge von Zahnärzten. Das Problem ist nicht einmal, dass einige dieser Projekte scheiterten. Scheitern gehört zu Risiko. Das eigentliche Problem ist die Struktur des Risikos. Ein Versorgungswerk hat eine simple Aufgabe: Überleben. Nicht innovativ sein. Nicht visionär sein. Nicht „unternehmerisch mutig“ sein. Überleben. Ein System, das Altersvorsorge verwaltet, muss fragilitätsfeindlich sein. Es darf nicht auf seltene Glücksfälle hoffen. Es muss gegen seltene Katastrophen gebaut sein. Stattdessen wurde hier etwas anderes gebaut: Ein Portfolio voller illiquider Wetten, die nur funktionieren, wenn alles gut läuft. Sobald ein paar Projekte kippen, kippt das ganze Kartenhaus. Und natürlich taucht dann die klassische Ausrede auf: „Das konnte niemand vorhersehen.“ Doch genau dafür gibt es konservative Portfolio-Regeln. Nicht weil man klüger ist. Sondern weil man weiß, dass man nicht klug genug ist, um die Zukunft vorherzusagen. Das Tragische ist nicht nur der finanzielle Schaden. Das Tragische ist die Illusion. Viele Ärzte glauben, ihre berufsständischen Versorgungswerke seien automatisch sicherer als staatliche Systeme.