Verrückte führen Blinde. Immer wieder.
Shakespeare hätte heute keinen Stoffmangel. Talkshow, Scheinempörung, betreutes Denken. Politiker stolpern hinein, Journalisten spielen Richter, das Publikum klatscht zur eigenen Beruhigung. Der verlinkte Auftritt ist kein Ausrutscher, sondern ein Symptom (https://www.focus.de/kultur/kino-tv/miosga-will-afd-chef-chrupalla-vorfuehren-der-tut-sich-mit-besuch-keinen-gefallen_5b9a1183-6e60-4aca-9e71-f72d1db22198.html). Egal welche Partei, egal welches Lager. Tino Chrupalla sitzt dort nicht als Entscheider, sondern als Statist. Gegenüber Caren Miosga, die ebenfalls kein Risiko trägt. Zwei Welten ohne Haftung treffen aufeinander und nennen es Demokratie. Das ist der Kern des Problems: Kein Skin in the Game. Null persönliches Risiko. Keine Konsequenzen für falsche Entscheidungen. Parteien reden über Krieg, Energie, Geld und Migration, als wären es Planspiele. Wenn sie irren, zahlen andere. Wenn sie scheitern, wechseln sie das Amt. Wenn sie lügen, nennt man es Narrativ. AfD, SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP Unterschiedliche Farben, gleiche Struktur. Funktionäre ohne Eigentum am Ergebnis. Und dann die Journalisten. Nicht als Beobachter, sondern als Mitspieler. Auch sie tragen kein Skin in the Game. Wer falsch einordnet, zuspitzt, moralisiert oder manipuliert, riskiert nichts. Keine Haftung. Kein Reputationsverlust. Nächste Sendung, nächster Leitartikel. Die politische Klasse bleibt folgenlos, die mediale ebenso. Verantwortung wird gegenseitig versichert. Besonders deutlich zeigt sich das im öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Ein geschlossener Kreislauf: Politik legitimiert Medien, Medien legitimieren Politik. Kritik wird zur Haltung, Haltung ersetzt Analyse. Fragen dienen nicht mehr dem Erkenntnisgewinn, sondern der Bloßstellung. Gespräch wird zum Tribunal, Information zur Inszenierung.