Gil Ofarim gewinnt das Dschungelcamp.
Nicht trotz, sondern wegen seiner Geschichte.
Und das Netz jubelt, empört sich, moralisiert sich in Ekstase.
Zur Erinnerung, falls kollektive Amnesie wieder mal als Tugend gilt:
Gil Ofarim hatte einen Antisemitismus-Vorwurf erhoben, der sich später als falsch herausstellte. Gericht, Geständnis, erledigt. Eigentlich. Aber in Deutschland bedeutet „erledigt“ nicht abgeschlossen, sondern emotional verwertet.
Die Story ist perfekt:
Gefallener Star. Öffentliche Buße. Tränen im Reality-TV. Erlösung durch Zuschauerabstimmung.
Das ist kein Zufall, das ist ein Geschäftsmodell.
Hier liegt das eigentliche Problem, nicht bei Ofarim.
Er spielt ein Spiel, das es längst gibt.
Das Problem ist eine Gesellschaft, die Moral mit Gefühl verwechselt und Verantwortung mit Symbolik.
Moralische Währung heute:
Nicht Wahrheit.
Nicht Konsequenz.
Sondern Betroffenheit.
Wer leidet, gewinnt.
Wer zweifelt, verliert.
Wer widerspricht, gilt als unmenschlich.
Das ist keine Empathie. Das ist moralische Inflation.
Und wie jede Inflation zerstört sie Vertrauen.
Früher galt: Fehler haben einen Preis.
Heute gilt: Die richtige Geschichte macht jeden Preis verhandelbar.
Man kann Gil Ofarim vergeben.
Man kann ihm eine zweite Chance geben.
Aber ihn zum moralischen Sieger zu küren, sagt weniger über ihn als über uns.
Eine Gesellschaft, die Vergebung braucht, aber Verantwortung meidet, wird nicht menschlicher.
Nur lauter.