Wenn man sich den Aufbau der Challenge aus sportphysiologischer Sicht anschaut, entscheidet sich diese Challenge nicht ob du besonders gut laufen kannst, sondern an einer anderen Stelle:
in der Regeneration zwischen den Läufen.
Wir laufen insgesamt etwa 76 km, aber in Intervallen. Der Körper bekommt immer wieder einen Belastungsreiz – und hat nur kurze Fenster zur Erholung.
Training erzeugt erstmal Stress im System:
- Energiespeicher werden leer (der Glykogenverbrauch erhöht sich auch beim langsamen laufen)
- Muskeln bekommen Mikrotraumata
- das Nervensystem ermüdet
Was passiert in der Pause? Der Körper fährt die regenerativen Prozesse hoch und arbeitet hart.
Und genau deshalb gewinnt bei dieser Challenge selten der Härteste –sondern der, der zwischen den Läufen am cleversten regeneriert und den Körper unterstützt.
Drei Punkte sind aus meiner Sicht entscheidend.
🛌 1. Schlaf – oder wach bleiben?
Die erste Frage: Was macht man zur regulären Wachzeit?
Powernaps nutzen oder wach bleiben, um im Rhythmus zu bleiben?
Aus sportphysiologischer Sicht ist die Antwort relativ klar:
👉 Powernaps sind besser.
Schon 20–90 Minuten Schlaf können das zentrale Nervensystem deutlich entlasten.
Studien aus der Ausdauerforschung zeigen, dass selbst kurze Schlafphasen:
- Reaktionszeit verbessern
- subjektive Müdigkeit senken
- die Leistungsfähigkeit stabilisieren
Eine Studie von Waterhouse et al. (2007, Journal of Sports Sciences) zeigte z.B., dass 30-Minuten-Naps bei Athleten die Leistung und Wachheit signifikant verbessern können.
Gerade bei Events mit Schlafentzug – Ultraevents, Militärbelastungen oder Mehrtagesrennen – gilt:
Jeder Schlafzyklus ist wertvoll.
Also:
laufen → essen → schlafen
Und nicht:
laufen → scrollen → rumhängen → müde werden
🍌 2. Energie nachfüllen – oder nur essen wenn Hunger da ist?
Zweite Frage: Nach jedem Lauf essen – oder nur wenn Hunger da ist?
Hier ist die Antwort ebenfalls ziemlich eindeutig:
👉 Proaktiv essen.
Der Grund ist einfach: Nach intensiver Belastung ist das sogenannte Glykogenfenster geöffnet.
In den ersten 30–60 Minuten nach dem Training kann der Körper Kohlenhydrate besonders effizient wieder in die Muskeln einbauen. Studien von Ivy et al. (1988) zeigen, dass frühe Kohlenhydratzufuhr die Glykogenresynthese deutlich beschleunigt.
Wenn man zu lange wartet, sinkt diese Aufnahmefähigkeit.
Problem bei solchen Challenges:
Wenn die Müdigkeit steigt, verschwindet oft das Hungergefühl.
Der Körper sagt dann:
„Ich habe keinen Hunger.“ Das stimmt aber häufig nicht. Er hat Hunger – nur keine Lust zu verdauen. Deshalb: lieber kleine Portionen regelmäßig
zum Beispiel:
- Banane
- Haferflocken
- Toast
- Reis
- Shake
🛋 3. Energie sparen – oder schneller laufen?
Die dritte spannende Frage: Locker laufen und Energie sparen – oder schneller laufen, um mehr Pause zu haben?
Die intuitive Antwort vieler Leute ist:
„Wenn ich schneller bin, habe ich mehr Zeit zum Ausruhen.“
Leider ist das aber meistens ein schlechter Deal. Warum? Weil der metabolische Stress exponentiell steigt, wenn die Intensität höher wird.
Ein schnellerer Lauf bedeutet:
- höhere Laktatproduktion
- mehr Muskelermüdung
- mehr Stress fürs Nervensystem
Und dieser zusätzliche Stress lässt sich in den kurzen Pausen meistens nicht vollständig abbauen. Deshalb sieht man bei Ultraveranstaltungen oft genau das Gegenteil: Die besten Athleten laufen bewusst kontrolliert.
Sie bleiben in einem Bereich, in dem:
- die Energiebereitstellung überwiegend aerob bleibt
- die Ermüdung langsamer ansteigt
Kurz gesagt:
Ein leicht langsamerer Lauf spart oft mehr Energie, als die zusätzliche Pause bringt.
💬 Jetzt interessiert mich eure Strategie
Deshalb mal drei Fragen an euch:
1️⃣ Powernaps zwischen den Läufen – oder wach bleiben?
2️⃣ Essen nach jedem Lauf – oder nur wenn Hunger da ist?
3️⃣ Pace konservativ laufen – oder schneller für mehr Pause?
Bin gespannt, wie ihr das plant. 👇