So steht es in der aktuellen Studie der BarmeniaGothaer gemeinsam mit forsa. Flexibilität folgt mit 26 %, Rendite mit 13 %. Gleichzeitig investieren immer mehr Menschen in ETFs, inzwischen etwa jeder Zweite, während klassische Produkte vor allem bei Älteren dominieren. Die Interpretation liegt auf der Hand: Generationen ticken unterschiedlich. Die Realität ist unbequemer.
Aus Sicht meiner Sicht offenbart diese Studie kein Altersproblem, sondern ein Denkproblem. Menschen priorisieren Sicherheit, aber sie definieren sie falsch. Sie verwechseln die Abwesenheit von Schwankung mit der Abwesenheit von Risiko. Das Ergebnis ist eine kollektive Selbsttäuschung. Der junge Anleger kauft ETFs und glaubt an Diversifikation, der ältere Anleger kauft Bankprodukte und glaubt an Stabilität. Beide optimieren auf ein Gefühl, nicht auf Robustheit.
Die Zahlen zur steigenden ETF-Nutzung werden gern als Fortschritt verkauft. Doch auch hier wirkt die gleiche Illusion. Ein ETF reduziert Einzeltitelrisiken, nicht aber Systemrisiken. In Stressphasen korrelieren Märkte, Liquidität trocknet aus, und Diversifikation verschwindet genau dann, wenn sie gebraucht wird. Die Finanzkrise 2008 war kein Ausrutscher, sondern ein Lehrstück. Wer damals „breit gestreut“ war, war trotzdem voll exponiert.
Gleichzeitig zeigt die Präferenz für Sicherheit eine tiefere Schwäche: Anleger denken in linearen Modellen. Sie extrapolieren Vergangenheit, vertrauen auf Prognosen und glauben an Stabilität, solange sie lange genug anhält. Meine zentrale These stellt genau das infrage. Die entscheidenden Ereignisse sind selten, extrem und außerhalb der Modelle. Sie lassen sich nicht prognostizieren, nur überstehen.
Hier setzt die via negativa an. Nicht die Frage „Was bringt Rendite?“ ist entscheidend, sondern „Was kann mich ruinieren?“. Wer Sicherheit sucht, sollte nicht nach sicheren Produkten greifen, sondern nach fragilen Strukturen suchen und sie eliminieren. Komplexe Finanzprodukte, scheinbar stabile Zinsversprechen, blinde Abhängigkeit von Systemen – all das gehört gestrichen. Sicherheit entsteht nicht durch Addition, sondern durch Subtraktion.
Die Studie zeigt, dass Anleger Sicherheit wollen. Sie zeigt aber auch, dass sie bereit sind, dafür die falschen Entscheidungen zu treffen. Jüngere überschätzen ihre Diversifikation, ältere überschätzen ihre Stabilität. Beide unterschätzen die Wirkung von Extremereignissen und die Erosion durch Inflation. Beide bauen Portfolios, die in normalen Zeiten funktionieren und in außergewöhnlichen Zeiten versagen.
Am Ende bleibt eine einfache, fast schon unbequeme Erkenntnis: Die Zukunft ist nicht berechenbar. Wer das ignoriert, wird früher oder später dafür bezahlen. Wer es akzeptiert, stellt nicht die Frage, wie er gewinnt, sondern wie er nicht verliert. Und genau dort beginnt echte Sicherheit.