🧠 1. Grundprinzip: Händigkeit ist neurologisch verankert
- Händigkeit entsteht durch die Organisation des Gehirns (v. a. Dominanz einer Hemisphäre).
- Sie ist keine Gewohnheit, sondern eine biologische Präferenz.
- Wenn ein Kind linksdominant ist, bedeutet das: Feinmotorik, Planung und Bewegungssteuerung sind dafür vorbereitet.
➡️ Wird ein Kind gezwungen, die nicht-dominante Hand zu benutzen, arbeitet es ständig gegen seine natürliche Verschaltung.
🔁 2. Was beim „Umlernen“ im Gehirn passiert
- Das Gehirn muss Bewegungsprogramme auf der nicht optimalen Seite anlegen.
- Bestehende Programme werden unterdrückt, nicht gelöscht.
- Es entsteht eine Art Dauer-Mehrbelastung:Zwei Systeme laufen parallel, keines davon perfekt integriert.
Man kann sich das vorstellen wie:
Ein Rechtshänder schreibt dauerhaft mit links – es geht, aber kostet mehr Energie.
⚠️ 3. Mögliche Folgen (nicht bei allen, aber häufiger)
Motorisch:
- Ungeschicklichkeit
- Verkrampfte Stifthaltung
- Langsameres Schreiben
- Häufigeres Fallenlassen von Dingen
Kognitiv:
- Konzentrationsprobleme
- Schnellere Ermüdung
- Verlangsamte Verarbeitung
Emotional / psychisch:
- Innere Unruhe
- Reizbarkeit
- Geringeres Selbstvertrauen („Ich kann das nicht richtig“)
- Teilweise Angst oder Leistungsdruck
Sprache (historisch gut dokumentiert):
- Stottern
- Wortfindungsprobleme
- Verlangsamte Sprachentwicklung
🧩 4. Besonders wichtig: Das Problem ist nicht Rechts- oder Linkshändigkeit
Sondern:
👉 Der Konflikt zwischen angeborener Dominanz und erzwungenem Verhalten.
Viele umgewöhnte Menschen sind:
- funktional rechtshändig
- aber neurologisch linksdominant
Das nennt man oft:
„verdeckt Linkshänder“
🔍 5. Woran man verdeckte Linkshändigkeit oft erkennt:
- Spontane Tätigkeiten eher links (Zähneputzen, Glas greifen)
- Mehr Kraft / Kontrolle links
- Besseres Gleichgewicht auf linkem Bein
- Links fühlt sich „richtiger“ an bei groben Bewegungen
- Schreiben rechts, fast alles andere links
Manchmal ist es gemischt.
🛠️ 6. Kann man im Erwachsenenalter etwas tun?
Ja – sanft.
Nicht zwingend „zurücklernen“, sondern:
- Bei Alltagstätigkeiten öfter links zulassen
- Malen, Kritzeln, Schneiden mit links
- Feinmotorik links spielerisch nutzen
- Wahrnehmen, welche Seite sich natürlicher anfühlt
Allein das Erlauben kann schon entlastend wirken.