Auf den Titelseiten der Wirtschaftspresse tauchen sie selten auf. Dort stehen die großen Logos, die Milliardenbewertungen, die Entscheidungen aus Silicon Valley, Shenzhen und Wall Street. Wer nur nach Schlagzeilen geht, könnte glauben: Hier wird die Zukunft gemacht. Wer genauer hinschaut, stellt fest: Die Zukunft dieses Landes hängt zu fast der Hälfte an denen, über die kaum jemand spricht – dem Mittelstand. Jenen Unternehmerinnen und Unternehmern, meist 50+, die mit 5, 70 oder 200 Mitarbeitenden dafür sorgen, dass Wertschöpfung nicht nur in Präsentationen, sondern in Werkhallen, Büros und Werkstätten entsteht. Wie geht es ihnen in dieser Zeit der Polykrise? Die ehrliche Antwort: Sie wirken nach außen standfest – und stehen innen oft auf schmalem Grat. Viele von ihnen haben in den 90ern oder 2000ern aufgebaut, sich durch Globalisierung, Eurokrise und Pandemie gekämpft. Heute sollen sie „nebenbei“ digitalisieren, Fachkräfte sichern, nachhaltiger werden und gleichzeitig über ihre eigene Nachfolge nachdenken. Die Schlagworte sind groß, die Unterstützung klein. Während Konzerne ganze Stäbe für Transformation haben, sitzt im Mittelstand die Verantwortung meist auf einem Stuhl: dem Chefsessel. Dort oben wird es leiser. Nicht, weil es an Themen fehlt – im Gegenteil. Sondern weil die Luft für echten Austausch dünn ist. Mitarbeitende sind zu nah dran, Banken zu vorsichtig, Berater zu schnell wieder weg. Viele Mittelständler tragen ihre Zweifel, Sackgassen und Überlastung mit sich selbst aus – im Auto, spät abends im Büro, am Küchentisch, wenn alle anderen schlafen. Was fehlt, ist selten Kompetenz. Was fehlt, sind Resonanzräume. Orte, an denen ein Unternehmer sagen kann: „Ich weiß gerade nicht, wie ich Digitalisierung, Tagesgeschäft und meine eigene Zukunft in einen Plan bringe“ – ohne dass jemand ihn für schwach hält. Orte, an denen Gleichrangige zuhören, statt zu urteilen. An denen nicht der nächste Pitch lauert, sondern ehrliches Interesse: Wie kriegen wir das gemeinsam besser hin?