Ich bezeichne mich selbst als undogmatischen Christen. Ostern hat für mich persönlich eine große Bedeutung. Ich habe seit Donnerstag Abend auf Essen verzichtet, bin heute vor dem Sonnenaufgang aufgestanden und habe mit der aufgehenden Sonne die Auferstehung Jesu gefeiert. Dann habe ich etwas gegessen. Für mich ist die Geschichte vom Tod und der Auferstehung Jesu deshalb so faszinierend, weil sie so sehr der menschlichen Logik widerspricht: Gott, der Allmächtige, der Schöpfer von Himmel und Erde, ist Mensch geworden. Mit allen Limitierungen. Und nicht nur das, er hat sich abführen, demütigen und grausam töten lassen. Nach menschlicher Logik der Stärke hätte er kämpfen müssen, sich verteidigen müssen, den Tod abwenden müssen. Viele seiner Anhänger haben erwartet, dass er eine Rebellion gegen die damals in Israel herrschenden römischen Besatzer anführen und sein Volk in die Freiheit führen wird. Aber all das hat er nicht getan, sondern sich völlig wehrlos gemacht, sich überhaupt nicht zur Wehr gesetzt und so seinen Peinigern und letztlich dem Tod die Macht genommen. Nicht mit Stärke und Kampf, sondern mit Schwachheit und bedingungsloser Liebe hat Jesus den Tod besiegt. Das ist wahre Stärke. Das ist wahre Freiheit. Die tieferliegende Wahrheit in dieser Geschichte gilt für mich übrigens unabhängig davon, ob man an die Kreuzigung und die Auferstehung glaubt oder nicht - man muss gar nicht christlich glauben, um dem Leben und dem Tod Jesu etwas Wahrhaftiges abzugewinnen. Was bedeutet Ostern für euch? Steht ihr Glaube und Spiritualität eher positiv oder eher kritisch gegenüber? Und wie sieht eure ganz eigene Spiritualität aus?