Praxis & Kaffee – Warum Schmerz dort sitzt, wo er logisch ist
Zusammenfassung | 25. März 2026 Der Schmerz findet sich dort, wo er logisch sinnvoll ist – nicht dort, wo der Schaden sitzt. Ich habe dazu eine Folie vorbereitet und Packis Schmerzphasen-Modell aufgedröselt – die drei Phasen, die in der klassischen Schmerzforschung systematisch übersehen werden. Dazu vier Studien, die das Ganze neurobiologisch untermauern. Und dann kamen deine Fragen – zu Schlafschmerz, Migräne, Neuroplastizität, intuitiver Körperwahrnehmung – und es wurde genau der Austausch, der dieses Format so wertvoll macht. Packis drei Phasen – kurz und knapp Phase 1: Die Verletzung tritt ein. Schmerz sitzt am Schaden. Schutz nach außen. Das kennt jeder, das simuliert die klassische Forschung bis heute – und hält es für den einzigen Mechanismus. Phase 2: Der Schmerz wandert. Die akute Gefahr ist vorbei, jetzt schützt der Körper dich vor dir selbst. Heilung braucht Ruhe – und der Schmerz sorgt dafür. Gerade nach minimalinvasiven Eingriffen geht dieses Bewusstsein oft verloren: außen fast nichts zu sehen, innen eine große OP. Phase 3: Die Verletzung ist verheilt. Der Schmerz taucht an einer anderen Stelle auf – dort, wo er eine Bewegung verhindern kann, die das geheilte Gebiet erneut belasten würde. Er warnt vor der Bewegung, nicht danach. Er sitzt an der Quelle, nicht am Zielort. Diese Phasentrennung ist für unsere Arbeit entscheidend. Wenn du weißt, in welcher Phase dein Patient ist, verändert sich dein gesamter Behandlungsansatz. Vier Studien – Neurobiologie hinter Packis Beobachtung Ich hab vier Studien gefunden. (von insgesamt 996, die bei meiner Recherche auftauchten), die diese Aussagen im Kern bestätigen: 1. Befund ≠ Schmerz. Zwei Menschen, identischer Befund, völlig unterschiedlicher Schmerz. Der Schaden allein erklärt den Ort nicht. 2. Das Gehirn macht Vorhersagen. Schmerz entsteht dort, wo das Gehirn ihn erwartet – als Konstruktion aus Erfahrung, nicht als Messung. Schmerzgedächtnis. 3. Das Schmerzsystem lernt. Alte Verletzung längst verheilt, neuer Reiz wandert zur alten Stelle. Das Gehirn hat eine Schmerzlandkarte und reproduziert bekannte Muster. 4. Logik statt Messung. Das Gehirn hat keinen direkten Zugang zur Schädigung. Es schlussfolgert basierend auf Erfahrung und Logik.