đłDer Förster, der loslassen lernte
â und was das mit unserer therapeutischen Arbeit zu tun haben kann. Dieser Text ist inspiriert von Brigit Anna McNeills Essay âLost Wildnessâ, erschienen im Permaculture Magazine, Issue 127, Spring 2026 â einem Text, der mich tief berĂŒhrt und zu diesem Gedankenweg gefĂŒhrt hat. Es war ein Wald wie viele in Deutschland. Fichten. Reihe um Reihe. Aufrecht, gleichmĂ€Ăig, dunkel. Von weitem sah er aus wie ein Wald. Von innen war er etwas anderes: still auf eine leblose Art, kein Unterholz, kein GestrĂŒpp, kein Chaos. Der Boden darunter fest und nadeltrocken. Kein Vogel sang hier lange. Kein Fuchs baute hier seinen Bau. Aber er wuchs. Er lieferte Holz. Er funktionierte. Martin â nennen wir ihn so â hatte diesen Wald von seinem VorgĂ€nger ĂŒbernommen. Er hatte Forstwirtschaft studiert, wusste, wie man BestĂ€nde optimiert, SchĂ€dlinge kontrolliert, Wachstum steuert. Er tat seine Arbeit gut. Gewissenhaft. Er liebte den Wald auf seine Art â die Art, die ihm beigebracht worden war. Kontrollieren. Eingreifen. Optimieren. Dann kam der erste trockene Sommer. Dann der zweite. Und dann der BorkenkĂ€fer. Martin kĂ€mpfte. Befallene BĂ€ume wurden sofort gefĂ€llt, abtransportiert, verbrannt. Fallen wurden aufgestellt. Er tat alles richtig â alles, was das Lehrbuch sagte. Aber das Lehrbuch hatte nicht vorgesehen, was als nĂ€chstes kam. Ein Sturm im Oktober. Drei Tage Wind. Und weil die Fichten flach gewurzelt waren â weil sie nie hatten tief wurzeln mĂŒssen, weil der Boden immer fĂŒr sie vorbereitet worden war â fielen sie wie Streichhölzer. Hunderte. Nebeneinander. Ein Kahlschlag, den kein Sturm allein hĂ€tte anrichten können. Martin stand am Rand und sah auf das, was ĂŒbrig war. Er war sechsundfĂŒnfzig Jahre alt. Er hatte dreiĂig Jahre in diesen Wald investiert. Die erste Reaktion war: neu pflanzen. Sofort. Kontrolle zurĂŒckgewinnen. Er bestellte Setzlinge. LieĂ Maschinen kommen, den Boden vorbereiten, die Reihen abstecken. In der ersten Nacht nach der Pflanzung schlief er nicht. Er stand am nĂ€chsten Morgen frĂŒh im Morgengrauen am Waldrand â und sah zwischen dem Chaos, dem Totholz, den umgestĂŒrzten StĂ€mmen: etwas GrĂŒnes.