Neustart auf dem Teller – wie ein Buch ganz anders wurde als geplant
Ich schreibe seit 2009 über Nahrungsmittelintoleranzen. Ich kenne die Diagnosen, die das Leben umkrempeln – Laktoseintoleranz, Zöliakie, Allergien. Ich habe sie selbst. Und trotzdem habe ich Anfang Januar 2026 einen fast fertigen Buchentwurf in die Hand genommen und gedacht: Nein. Das ist nicht das Buch, das ich schreiben wollte. Vier Monate Arbeit. Und es fühlte sich falsch an. Der Entwurf war ein klassischer Ratgeber – mit Übungen, Strategien, einem Weg nach vorne. Und irgendwann, mitten in diesem Prozess, hatte ich gemerkt: Ich habe eine regelrechte Abneigung gegen Heilsversprechen entwickelt. Gegen Bücher, die zwischen den Zeilen sagen: Du schaffst alles, wenn du nur willst. Gegen toxische Positivität, die so tut, als wäre eine Diagnose nur eine Frage der richtigen Einstellung. Also haben wir in einer dreistündigen Diskussion mit ChatGPT und Claude das Konzept umgeworfen. Herausgekommen ist kein Ratgeber – sondern ein Begleitbuch. Eines, das nicht heilt und nicht verspricht, dass es besser wird. Eines, das einfach benennt, was viele fühlen: die Wut im Supermarkt, die Erschöpfung vom ständigen Erklären, die Traurigkeit, wenn man beim Geburtstagskuchen wieder nur zuschaut. Und das sagt: Du bist damit nicht allein. Du bist nicht verrückt. Neustart auf dem Teller richtet sich an die 20 Millionen Menschen in Deutschland, die mit Unverträglichkeiten, Allergien oder Zöliakie leben – und für die es bisher kaum ein Buch gibt, das sich um die Gefühle hinter der Diagnose kümmert.