Wenn Software automatisch handelt – ist sie dann ein Akteur?
Bei sogenannten „KI-Agenten“ entsteht schnell der Eindruck: Die KI handelt selbstständig.
Aber automatische Aktionen gibt es in Betriebssystemen seit Jahrzehnten.
Unter Linux können etwa "cron", "systemd.timer", "systemd.path" oder "udev" Aktionen auslösen:
Uhrzeit erreicht
↓
systemd.timer
↓
Service startet
↓
Programm führt Aktion aus
Unter macOS übernimmt "launchd" vergleichbare Aufgaben:
Ereignis / Zeitbedingung
↓
launchd
↓
Prozess startet
↓
Aktion erfolgt
Und unter Windows kann der Task Scheduler Programme aufgrund von Uhrzeiten oder Systemereignissen starten:
Trigger
↓
Task Scheduler
↓
Programm
↓
Aktion
In allen drei Fällen kann also etwas automatisch beobachtet, ausgelöst und ausgeführt werden.
Trotzdem würde kaum jemand sagen:
«„Der Task Scheduler hat beschlossen, heute Nacht ein Backup zu machen.“»
Wir erkennen selbstverständlich die dahinterliegenden Systemfunktionen: Trigger, Scheduler, Prozesse, Berechtigungen und Programme.
Warum beschreiben wir dieselbe Konstruktion plötzlich als „handelnden Akteur“, sobald irgendwo in dieser Kette ein Sprachmodell auftaucht?
Trigger
↓
Scheduler
↓
LLM
↓
Output
↓
Tool / Programm
↓
Aktion
Das LLM kann eine bemerkenswerte neue Funktion innerhalb dieser Kette übernehmen – etwa Sprache interpretieren oder einen nächsten Schritt erzeugen.
Aber:
[
\boxed{\text{automatisches Verhalten} \neq \text{Akteurschaft}}
]
Bevor wir also sagen „Die KI hat gehandelt“, sollten wir die technisch viel interessantere Frage stellen:
Welche konkrete Systemfunktion hat was ausgelöst, entschieden und schließlich ausgeführt?
Vielleicht entdecken wir dann, dass hinter so manchem vermeintlichen „KI-Agenten“ vor allem etwas steckt, das Betriebssysteme schon sehr lange können – ergänzt um ein leistungsfähiges Sprachmodell.