Und plötzlich ist es doch neu: Wie man mit Code und Chaos eine Hiphop-Avantgarde erzwingt
KI-Musik hat ein Image-Problem: Sie gilt oft als generisch. Glattgebügelter Pop, austauschbarer Lofi-Jazz, seelenlose Radiomusik. Aber was passiert, wenn man der Maschine nicht das gibt, was sie erwartet? Was, wenn man ihr keine harmonischen Akkorde füttert, sondern mathematisches Chaos?
Ich habe ein Experiment gewagt. Das Ziel: Einen Sound zu erschaffen, der so "kaputt" und irregulär ist, dass er die KI aus ihrer Komfortzone prügelt – und am Ende einen charttauglichen Frankfurt-Style Hiphop-Track daraus zu machen.
Das Ergebnis ist keine Konserve. Es ist vielleicht Avantgarde. Und so habe ich es gemacht.
Der Prozess: Vom Code zum Beat
Statt der KI einfach nur einen Text-Prompt zu geben, habe ich einen dreistufigen Prozess entwickelt, der auf "Adversarial Audio" (feindlichem Audio) basiert. Ich wollte Reibung erzeugen.
Schritt 1: Das Fundament aus reinem Chaos (Python)
Alles begann nicht in einer DAW, sondern in einem Python-Skript. Ich wollte einen Rhythmus, den kein Mensch spielen würde.
Ich programmierte einen "Euler-Pi-Collider". Das Konzept:
  • Der Beat (Kick): Folgt den Nachkommastellen von Pi. Irrational und ohne wiederkehrendes Muster.
  • Die Melodie: Folgt der Eulerschen Zahl und basiert auf der chaotischen Logistischen Gleichung.
Das Ergebnis war eine WAV-Datei voller digitaler Zerstörung. Ein "Barcode" aus Lärm. Keine 4/4-Takte, kein Groove, nur mathematische Dissonanz. Für ein normales Ohr: unhörbar. Für die KI: eine Herausforderung.
Schritt 2: Die Brücke (Suno Extend)
Ich fütterte Suno.ai mit diesem digitalen Schrott. Aber anstatt es zu glätten, nutzte ich die Extend-Funktion. Ich ließ die KI versuchen, dieses Chaos fortzusetzen.
Hier passierte das erste Spannende: Die KI versuchte krampfhaft, Muster im Rauschen zu finden. Sie halluzinierte Struktur, wo nur Mathematik war. Das Audio wurde "musikalisiert", behielt aber seine aggressive, fremdartige Textur.
Schritt 3: Der Frankfurter Schliff (Cover Mode)
Jetzt kam der finale Twist. Ich nahm das Ergebnis aus Schritt 2 und jagte es durch den Cover-Modus.
  • Der Prompt: Hiphop, Frankfurt-Style, aggressiv, chartready.
  • Die Idee: Harter Straßenrap trifft auf fraktale Mathematik.
Die KI stand nun vor einem Konflikt: Sie sollte einen sauberen, pumpenden Beat im Stil von Haftbefehl oder OG Keemo bauen, musste aber die irregulären "Pi-Kicks" und das "Euler-Gefiepe" aus meiner Vorlage als Basis nutzen.
Das Ergebnis: "Fractals in the Fire"
Was dabei herauskam, ist faszinierend. Suno hat das Chaos nicht ignoriert – es hat es assimiliert.
Der Beat stolpert und "glitcht" auf eine Weise, die ein menschlicher Produzent kaum absichtlich so programmiert hätte. Es ist "off-grid", aber durch den Frankfurt-Filter wirkt es plötzlich wie ein gewolltes, düsteres Stilmittel. Die KI rappt über "Numbers in the ash" und "Patterns in the mesh". Sie hat erkannt, dass der Input anders war, und das textlich verarbeitet. ;-)
Es ist Hiphop, ja. Aber es klingt wie Hiphop aus einer anderen Dimension.
Fazit: Die Maschine als Sparringspartner
Dieses Projekt zeigt: Wir müssen aufhören, KI nur als "Knopfdrück-Maschine" für schnelle Ergebnisse zu sehen. Wenn wir sie als Werkzeug begreifen, das wir herausfordern, brechen und manipulieren können, entsteht plötzlich etwas Neues.
Wir haben Mathematik gegen Straßenrap ausgespielt. Und der Gewinner ist die Kunst.
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Marcus Sieverdingbeck
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Und plötzlich ist es doch neu: Wie man mit Code und Chaos eine Hiphop-Avantgarde erzwingt
Thomas Foster Musikproduktion
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