Samstagnachmittag, halb vier, und es dämmert schon. Die Fußgängerzone ist trotzdem voll. Menschen schlendern, zwei stehen vor einem Fenster und zeigen auf irgendwas, jemand schiebt einen Kinderwagen durch die Lücke zwischen zwei Aufstellern. Einer trinkt seinen Kaffee im Gehen. Die Stadt lebt. Deine Tür steht offen. Drinnen brennt Licht. Die Ware liegt da, wo du sie haben willst, und du hast jedes einzelne Teil selbst ausgesucht. Und trotzdem laufen sie vorbei. Manche schauen ins Fenster, zwei Sekunden, dann gehen sie weiter. Wie kann das sein? Vielleicht liegt es gar nicht daran, dass niemand mehr in die Innenstadt will. Für die Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 der cima wurden im Mai und Juni über 5.000 Menschen ab 16 Jahren befragt. 83,3 Prozent von ihnen wollen ihre Innenstadt künftig mindestens so oft besuchen wie heute. Bester Wert seit sechs Jahren. 44,2 Prozent geben ihrer Innenstadt die Schulnote 1 oder 2, 2022 waren es 31,7. Und der wichtigste Grund, warum sie kommen, ist immer noch das Einkaufen. Das ist erst mal eine gute Nachricht. Tja. Und jetzt kommt das Aber. Dass jemand in die Stadt will, heißt noch lange nicht, dass er bei dir hereinkommt. Wer hereinkommt, hat deswegen noch nichts gekauft. Und wer gekauft hat, kommt deswegen nicht wieder. Die Leute vor deiner Tür sind eine Möglichkeit. Was daraus wird, entscheidet sich auf den zwei Metern zwischen Gehweg und Eingang. Einen Grund braucht nämlich jeder. Vielleicht sucht deine Kundin etwas, das sie nicht in jedem zweiten Laden findet, vielleicht will sie eine ehrliche Meinung von jemandem, der das Zeug kennt und auch mal sagt, dass das günstigere Teil für sie das bessere wäre, und vielleicht will sie einfach nur das Gefühl, dass sich jemand freut, wenn die Türglocke geht. Mehr ist es oft nicht. Und manchmal kommt jemand wegen eines Produkts und bleibt wegen des Menschen dahinter. Genau da liegt für mich die größte Chance im Laden um die Ecke. Überall KI, Automationen, Bots, Bilder, die niemand gemalt hat, Stimmen, die niemandem gehören. Es ist bequem, es ist billig, und es ist überall. Ich bin überzeugt, dass genau diese Welle die Menschen zurück zu Nähe und Zugehörigkeit treibt.