Ein Kind bekommt zur Geburt eine 100er-Packung Buntstifte. Jede Farbe ist da. Dann sagt der Vater: "Du bist frech" und nimmt das Gelb weg. Die Mutter sagt: "Sei ruhig" und nimmt das Blau weg. Mit 12 bleiben nur noch Schwarz, Weiß, Grau. Ein Schwarz-Weiß-Bild vom eigenen Leben. So beschreibt Ronald Kalbermatten in dieser Folge von "The Networkerin: In Resonanz", wie Persönlichkeit über Jahre reduziert wird, bis nur noch das übrig bleibt, was im Außen als angepasst gilt. Bei ihm ging es bis zum Burnout, bis zum Suizidversuch. Vorher gab es Zeichen: der Magen-Darm-Trakt, der "alle Register zog". Knieschmerzen, das Knie als Symbol dafür, nicht weiterzugehen. Die Gastronomie-Szene: Party mit vollem Haus, und zuhause allein weinen. Sein Satz dazu: "Wenn die Schuhe nicht passen, gehst du in den Laden und kaufst neue. Beim Leben behält man die verschlissenen Schuhe einfach an." Das Aushalten, für ihn das Schlimmste, was in unserer Gesellschaft verbreitet ist. Der Wendepunkt kam am Rand einer Klippe, buchstäblich. Und die Erkenntnis danach: Sobald man in die Eigenverantwortung geht, verändert sich die Währung. Sie heißt Selbstwirksamkeit. Sein Werkzeug dafür ist keine neue Methode, sondern Verlangsamung. Vier Monate, allein mit 50 Tieren auf einer Alp. Dort, sagt er, hat die Natur ihn wieder zu sich selbst gebracht. Ein Moment sitzt ihm besonders tief: Er sitzt am Hang, blickt in den Wald gegenüber und spürt plötzlich, wie er förmlich "hineingesogen" wird. Sein geistiges Team, seine Ahnen, alles da, aber nicht überwältigend, sondern frei. Bis eine Stimme sagt: "Jetzt musst du zurück." Er will bleiben. Da bellt hinter ihm ein Rehbock und er ist zurück auf der Erde. Seine Deutung: "Das da draußen ist der Spiegel. Aber ich bin mit allem verbunden." Jeder, der dich triggert, zeigt dir eine Wunde, an der du noch nicht hell bist. Vielleicht ist das die eigentliche Frage nach diesem Gespräch: Welche Farben hast du im Laufe der Jahre abgegeben und welche würdest du dir gerne zurückholen?