Das ist meine Einschätzung zu dem Thema. Hier ein Ausschnitt eines LinkedIn-Beitrags von vor zwei Tagen. : "Das EU-Mercosur-Abkommen wird überschätzt. Die Europäische Union hat nun endlich das Handelsabkommen mit dem Mercosur genehmigt, 25 Jahre zu spät, aber besser spät als nie. Jetzt liegt der Ball bei den Mercosur-Staaten. Die Auswirkungen des Abkommens sollte man allerdings nicht überschätzen, wie ein Blick auf das Freihandelsabkommen Chiles mit der EU zeigt, das Anfang der 2000er-Jahre geschlossen wurde und realwirtschaftlich heute kaum eine Rolle spielt. Unter den fünf wichtigsten Exportpartnern Chiles befindet sich kein einziges EU-Land. Bei den Importen ist Deutschland als einziges EU-Land regelmäßig auf Platz vier oder fünf vertreten. Große Chancen werden regelmäßig für die europäische Automobilindustrie, den Maschinenbau oder den Pharmasektor angekündigt. Die Automobilkonzerne sind jedoch längst mit eigenen Werken im Mercosur vertreten, ebenso wie Großunternehmen des Maschinenbaus und die Platzhirsche der Pharmaindustrie. Darüber hinaus hat man in Südamerika nicht 25 Jahre lang die Hände in den Schoß gelegt und auf Europa gewartet. Es haben sich heimische, konkurrenzfähige Unternehmen entwickelt, um nur zwei zu nennen: WEG aus Brasilien, ein Hersteller von Elektromotoren, die ich teilweise auch in Deutschland montiert habe, oder Siderca, ein Hersteller nahtloser Stahlrohre für die Sektoren Öl und Gas in Argentinien. Vor über 130 Jahren wurde nahezu alles, was technologisch in Südamerika benötigt wurde, aus Europa importiert, seien es Züge, Säbel für das argentinische Militär aus Solingen oder sogar Stromgeneratoren für die ersten Luxushotels. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Heute bieten sich für europäische Unternehmen vor allem Chancen in hochspezialisierten Bereichen, für Anbieter patentierter Lösungen und für Anbieter innovativer Technologien. Das Freihandelsabkommen ist, wie das Beispiel Chile zeigt, kein Selbstläufer. Auf dem lateinamerikanischen Markt entstehen Aufträge nicht durch Verträge zwischen Bürokraten, sondern durch Vertrauen, das sich nur über persönlichen Kontakt aufbauen lässt sowie durch Angebot und Nachfrage ."