Ich weiß noch genau, wo ich damals war. Ich stand in unserem Wohnzimmer, wollte bügeln und hatte dabei den Fernseher laufen. Das war damals oft mein Ablauf. Nebenbei fernsehen, während ich die Wäsche machte. Dann kamen diese Bilder aus New York. Ein Flugzeug war in einen der Türme des World Trade Centers geflogen. Zuerst war überhaupt nicht klar, was da gerade passiert war. Ein Unfall? Ein schrecklicher Zufall? Dann flog das zweite Flugzeug in den zweiten Turm. Und in diesem Moment war klar, dass das kein Unfall war. Meine Kinder waren damals 14, 12 und 10 Jahre alt. Sie kamen aus der Schule nach Hause und ich versuchte irgendwie, mein Entsetzen in Worte zu fassen. Aber eigentlich hatte ich selbst keine Worte dafür. Ich weiß noch, dass wir darüber gesprochen haben. Ich weiß auch noch, wie tief dieses Entsetzen in mir saß. Diese Fassungslosigkeit darüber, was Menschen anderen Menschen antun können. An diesem Tag war nichts mehr so, wie es an einem ganz normalen Nachmittag hätte sein sollen. Später habe ich den restlichen Nachmittag allein vor dem Fernseher verbracht. Und bis heute bin ich froh darum. Ich konnte den Blick kaum von den Bildern lösen. Rauch, Feuer, Menschen, die aus den Gebäuden flohen. Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte, die genau dorthin liefen, wo andere nur noch weg wollten. Ein Bild hat sich mir besonders eingebrannt. Aus den oberen Stockwerken fielen Dinge aus den Fenstern. Zuerst dachte man an Papier, an Pappkartons oder an Trümmerteile. Dann zoomten die Kameras näher heran. Es waren Menschen. Menschen, die dort oben keine Aussicht mehr auf Rettung sahen. Ich erinnere mich auch noch an die Stimmen der Kommentatoren. Auch sie begriffen in diesem Moment, was sie da sahen. Man hörte das Entsetzen. Später kamen die Bilder der eingestürzten Türme. Menschen liefen durch New York, weiß bedeckt mit Staub, mit fassungslosen Augen. Überall Blaulicht. Und immer wieder Einsatzkräfte, die sich in dieses Inferno begaben, um zu helfen. Die Gedanken an die Menschen in den Flugzeugen und an das Pentagon kamen für mich erst später.