Jul '25 (edited) • Literatur
William Shakespeare über Diskrepanz zwischen Schein und Sein
In den vorliegenden Quellen wird das Thema des täuschenden Aussehens oder der Diskrepanz zwischen Schein und Sein wiederholt behandelt1.... Es ist ein wiederkehrendes Motiv, das sich in verschiedenen Kontexten manifestiert, von der physischen Verkleidung bis hin zu charakterlichen Verstellungen und oberflächlichen Urteilen.
1. Äußere Erscheinung versus innerer Charakter oder Wahrheit: Oft wird betont, dass die äußere Schönheit oder der äußere Glanz nicht unbedingt den inneren Wert oder die Wahrheit widerspiegeln:
• In "A Lover's Complaint" wird beschrieben, wie äußerliche Zierden ("appertainings and to ornament") durch die Person selbst verschönert werden, anstatt umgekehrt
Bassanio in "The Merchant of Venice" erkennt, dass "die äußeren Erscheinungen am wenigsten sie selbst sind" und die Welt "immer mit Schmuck getäuscht wird"
Er warnt davor, dass goldene Locken, die so anmutig mit dem Wind spielen, oft der "Aussteuer eines zweiten Kopfes" sind, des Schädels, der sie im Grab hervorbrachte. Er vergleicht Schönheit mit einem "verlogenen Ufer zu einem höchst gefährlichen Meer" und einem "schönen Schal, der eine indische Schönheit verhüllt"
• In "Pericles, Prince of Tyre" lehnt Pericles die Tochter des Antiochus ab, obwohl sie äußerlich ein "herrliches Kästchen" ist, weil er weiß, dass sie "mit Übel gefüllt" ist.
Später wird betont, dass die Meinung oft dazu führt, dass man "die äußere Gewohnheit nach dem inneren Menschen" beurteilt, was ein Trugschluss sein kann.
• Die Countess of Auvergne in "History of Henry VI, Part I" erwartet von Talbot einen "Herkules" oder "zweiten Hektor" und sieht stattdessen ein "Kind, einen dummen Zwerg"6. Talbot enthüllt daraufhin, dass seine wahre "Substanz, Sehnen, Arme und Stärke" seine Soldaten sind, die Städte verwüsten können89.
• In Shakespeares Sonnetten wird die Schönheit oft als etwas dargestellt, das verwelkt oder durch falsche Kunst ("false Art") verfälscht wird2627. Die Zungen loben zwar das Äußere, aber "sehen weiter als das Auge gezeigt hat" und fügen der "schönen Blume den ranzigen Geruch von Unkraut" hinzu, wenn sie den Charakter beurteilen28. Das Sonnet "The Phoenix and the Turtle" beklagt, dass "Schönheit prahlt, aber sie ist es nicht", und "Wahrheit und Schönheit begraben sind", weil sie nicht dauerhaft sind.
• König Heinrich VIII. stellt fest, dass Herzog von Buckingham seine "Gnaden" in "ungeheuerliche Gewohnheiten" verwandelt hat und "schwarz geworden ist, als ob er in der Hölle besudelt wäre," obwohl er einst so "vollkommen" schien.
• In "The Rape of Lucrece" wird Tarquin beschrieben, wie er "gnadenlos disputiert" zwischen "gefrorenem Gewissen und heiß brennendem Willen," wodurch das, was "gemein ist, wie eine tugendhafte Tat aussieht". Lucrece' Gesicht, das eine Mischung aus Schönheit und Tugend zeigt, wird als "Wappenkunde" beschrieben, bei der Scham das Weiß vor dem Rot schützt. Auch Sinon wird als "nüchtern-traurig, so müde und so mild" dargestellt, obwohl er voller "Heimtücke" ist. Es wird auch festgestellt, dass "Gesichter armer Frauen die Bücher ihrer eigenen Fehler sind", während Männer "Verbrechen mit kühnen, strengen Blicken verbergen können".
• In "The Winter's Tale" bemerkt Leontes, dass "Ornamente oft zu gefährlich" sind33. Später stellt Paulina fest: "Hier ist so ein Aufhebens, um keinen Fleck zu einem Fleck zu machen, der jede Färbung übertrifft".
• In "Two Noble Kinsmen" sagt Arcite, dass in Theben "jedes Übel eine gute Farbe hat; wo jedes scheinbare Gut ein bestimmtes Übel ist". Hippolyta bewundert einen jungen Mann und bemerkt, dass seine "Tugend, wie eine verborgene Sonne, durch seine einfacheren Kleider bricht". Emilia beschreibt Arcite als "sanftmütig" mit einem Auge "wie eine scharfe Waffe in einer weichen Scheide", während Palamon "bedrohlich" aussieht, aber seine Traurigkeit "eine Art von Heiterkeit" ist; dunkle Launen, die anderen unpassend erscheinen, leben an ihnen "in fairer Wohnung".
• Rosalind in "Love's Labour's Lost" sagt, dass "Kurzlebiger Stolz! Wo Schönheit nicht ist, kann Lob die Stirn nicht verschönern". Sie merkt an, dass "Ruhm sich der abscheulichen Verbrechen schuldig macht, wenn man um des Ruhmes, um des Lobes willen, eines äußeren Teiles wegen, die Arbeit des Herzens dazu beugt".
3. Oberflächliche Urteile und Rhetorik: Oft wird die Kraft der Sprache und des Auftretens, die dazu dient, die Wahrnehmung zu beeinflussen, hervorgehoben:
• Der Erzähler in "A Lover's Complaint" beschreibt die Zunge eines Liebhabers als "überwältigend," fähig, "alle Arten von Argumenten und tiefgründigen Fragen" und "schlagfertige Repliken und starke Vernunft" für seinen Vorteil einzusetzen, um "den Weinenden zum Lachen, den Lachenden zum Weinen zu bringen"1.
• In "Love's Labour's Lost" diskutieren Armado und Moth über die "makellosen weißen und roten" Farben der Liebe, wobei Moth bemerkt, dass "makellose Gedanken" oft unter solchen Farben verborgen sind. Die Prinzessin von Frankreich lehnt "gemalte Lobpreisungen" ihrer Schönheit ab, da "Schönheit durch das Urteil des Auges gekauft wird, nicht durch den billigen Verkauf von Händlerzungen".
• Ulysses in "Troilus and Cressida" beklagt, dass "wenn der Grad maskiert ist, zeigt sich der Unwürdigste ebenso schön in der Maske". Er merkt auch an, dass die Schönheit im Gesicht vom Träger selbst nicht erkannt wird, sondern sich den Augen anderer empfiehlt, und die Spekulation sich erst in einem Spiegel selbst sehen kann.
• Horatio in "Hamlet" bemerkt, dass die Dänen "verleumdet und von anderen Nationen als Trinker abgestempelt werden," was ihren "Taten... ihren Kern und ihr Mark entzieht". Polonius' Einschätzung von Hamlets Wahnsinn wird als "künstlerlos" bezeichnet, aber auch als "die Seele des Witzes".
• Lepidus' Beschreibung des Krokodils in "Antony and Cleopatra" ist absurd detailreich, aber inhaltsleer, indem es nur seine offensichtlichen Eigenschaften nennt, ohne wirkliche Einsicht zu geben.
• In "King John" bemerkt Philip the Bastard, dass "neuer Ruhm die Namen der Menschen vergisst," und er lernt, "süßes, süßes, süßes Gift für den Zahn der Zeit zu liefern," um Betrug zu vermeiden und seinen Aufstieg zu fördern.
Insgesamt zeigen die Quellen, dass das täuschende Aussehen ein vielschichtiges Phänomen ist, das von bewusster Verstellung und Maskerade bis hin zu unbewussten Fehleinschätzungen und der falschen Interpretation von Äußerlichkeiten reicht. Es verdeutlicht die menschliche Neigung, nach dem Schein zu urteilen, und die Schwierigkeit, die wahre Natur hinter der Oberfläche zu erkennen.
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8 comments
Christa Raatz
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