Die Cholesterin-Hypothese ist der Goldesel der Pharmaindustrie und das Fundament jahrzehntelanger Ernährungsirrtümer. Dass sie trotz gegenteiliger Evidenz nicht stirbt, hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Ein neuer Dokumentarfilm und die Arbeit eines unbeugsamen Ingenieurs könnten das Dogma nun endgültig sprengen.
Die Doktrin sitzt tief: Cholesterin – insbesondere das sogenannte „schlechte“ LDL – verstopft die Arterien und führt zum Herzinfarkt. Die Lipid-Hypothese ist das perfekte Geschäftsmodell: Man definiert einen Laborwert – zum Beispiel für LDL-Cholesterin – als Krankheitsursache, entwickelt ein Medikament, das diesen Wert senkt, und behandelt dann jahrzehntelang völlig gesunde Menschen, deren einzige „Krankheit“ ein erhöhter Laborwert ist. Die neuen US-Richtlinien von 2026 treiben diese Perversion auf die Spitze: Sie empfehlen Lipid-Screenings für Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren und erweitern die Kriterien für die Statin-Verschreibung auf Erwachsene ab 30 Jahren. Die Botschaft ist klar: Jeder soll möglichst früh und möglichst lebenslang zu Cholesterinsenkern greifen. Dass die absolute Risikoreduktion durch Statine in der Primärprävention bei mickrigen ein bis zwei Prozentpunkten liegt, wird geflissentlich verschwiegen.