Welche Identität sitzt am Steuer? Und ist sie die richtige für den Job
Gestern Abend im Zoom Call ist mir wieder bewusst geworden, dass tiefe Ruhe und Ausgeglichenheit immer auch mit dem stabilen Aufbau des eigenen Selbstwerts einhergehen.
Je bewusster ich mir über mich selbst bin, je besser ich mich kenne – meine Höhen und Tiefen, meine Wald-und-Wiesen-Berichte, meine Stürme – je weniger Schuld und Scham in meinem System laufen und je weniger mich das Außen aus der Ruhe bringen kann, desto leichter fällt es entspannt und in mir ruhend zu SEIN.
Sicher, vertrauensvoll, dem Leben hingebend - in dem Wissen und Vertrauen: Ich kann alles handeln was das Leben mir entgegen bringt. 🥰
Ich muss:
nicht mehr ins Recht-haben-Wollen gehen
nicht mehr rechtfertigen
nicht in die Verteidigung gehen
Anderen nicht die Schuld geben
Mir die Schuld geben
nicht in Kontrolle und Sicherheitsmechanismen zu rutschen
Es gibt keine Schuld - nur persönliche Verantwortung.
Ein Beispiel einer meiner eigenen Identitäten:
Lange Zeit hat die schützende, kontrollierende, hatte Identität bei mir das Steuer übernommen, Alle anderen Identitäten saßen auf dem Rücksitz und hatten nichts zu sagen.
Sie war wichtig und richtig. Sie war ungefähr 15 Jahre alt. Alexandra.
Alexandra ist nicht feminin. Sie führt kein Business.
Sie fühlt sich schnell angegriffen oder in die Ecke gedrängt.
Sie greift an, bevor sie angegriffen wird.
Sie fühlt nicht, denn das tut weh.
Das ist in Beziehungen, in der Ehe, im Muttersein und im Business sehr unpraktisch.
Sie ist nicht coachable, weil sie glaubt, alles besser zu wissen.
Sie scannt Räume. Sie scannt Energien. Sie ist ständig in Alarmbereitschaft.
So bin ich ins Burnout geraten.
In meinem kompletten Zusammenbruch, nach meiner „minimalinvasiven Leistenbruch-OP“, die mich komplett stillgelegt hat, kam die Frage auf:
Wer bin ich, wenn alles andere wegbricht?
Welchen Wert habe ich, wenn ich nicht TUN kann?
An dem Punkt bin ich endlich aufgebrochen.
Ich bin bis heute dankbar, dass meine Zellen „nur“ mit einem Burnout als rote Karte gearbeitet haben – also begleitet von Tinnitus, Fibromyalgie, Migräne, Restless Legs, oberen Atemwege,..
Aber es hat mir die Zeit gegeben, meinen Selbstwert wirklich zu entdecken. Da war ich 37.
Seitdem sind viele Identitäten in mir sichtbar geworden:
die kleine verletzte Identität,
die Business-Identität,
die Lerner-Identität,
die Mama-Identität,
die sanfte feminine,
die sexuelle,
und weitere.
Jede hat ihren Sinn. Jede kann etwas Bestimmtes. Jede ist für bestimmte Aufgaben die richtige.
Und wenn wir uns wirklich kennen, wenn wir in unserer Mitte sind, gibt es eine Identität, die JETZT den Fahrersitz übernehmen sollte, die genau weiß, was sie braucht und wie sie dem Leben mit Leichtigkeit und Freude begegnet. Sie hat den Überblick, wann sie eine andere einsetzt, sie ist sozusagen, die Mangerin aller.
Solange das nicht der Fall ist, springen wir unbewusst zwischen Identitäten hin und her. Das verursacht Stress und führt dazu, dass wir uns ausgepowert fühlen.
Es ist ähnlich wie beim Energietyp.
Ich dachte lange, ich sei Energietyp 3.
Doch nach zwei Stunden war ich regelmäßig erschöpft, brauchte Pausen, zog mich über Tage zurück, bis ich wieder Energie hatte.
Im Amt hat das zu langen Krankheitsphasen geführt, weil ich immer weiter machen wollte und mein Körper gestoppt hat.
Als ich verstanden habe, dass ich Energietyp 1 bin und dass ich in diesem Rhythmus stabil bleibe, war das Ausgebranntsein vorbei.
Das sind Beispiele dafür, wie wir uns selbst wiederfinden – und uns mit dem nähren, was wir wirklich brauchen, und nicht mit den Mechanismen, Programmierungen, Verhaltensweisen, Aminosäureketten, dem Verstand oder dem Ego, die alle wirken und alle ihre eigene Agenda haben.
Die Arbeit liegt genau hier.
Wir haben über Jahre und Jahrzehnte alles eingesammelt, aufgebaut, in unsere 90% Blueprint gepackt und Persönlichkeit genannt.
Das bin ICH“ – wird oft genutzt, um uns zu verteidigen: „Naja, so bin ich eben, DAS ist meine Art!“
Doch das ist nicht die ganze Wahrheit. Wir können alles sein und uns jederzeit neu vernetzen.
Genauso, wie wir das, was gerade unser Leben steuert, einst in unser Blueprint hineinkodiert haben.
Damit konnten wir das Fühlen verhindern, weil wir es als schmerzhaft eingestuft hatten und angefangen haben, es mit Verstand und all den Mechanismen zu regulieren.
Fühlen ist unser Partner.
Vor dem Sprung ins Handeln, Verteidigen oder Angreifen liegt eine Millisekunde, in der wir fühlen, wie es uns wirklich geht.
Dort dürfen wir hinschauen.
Anhalten.
Weich werden.
Uns Zeit nehmen und sagen:
Das macht mich jetzt traurig.
Da fühle ich Wut.
….
Wo sitzt das Gefühl?
Kehle zugeschnürt?
Schlag in die Magengrube?
Genau dort bleiben.
Bis das Gefühl sich löst.
Dahinter entspannt sich alles.
Schritt für Schritt immer näher zu mir selbst.
Das ist gelebter Selbstwert.